openHAB in 2 Schritten auf einer DiskStation installieren

Collage: Internet-of-Things.blog mit Bildern von openhab.org und synology.com

Wer in die Hausautomatisierung einsteigen will und dafür ein passendes Serversystem sucht, sollte sich die DiskStation von Synology anschauen. In diesem Artikel erfährst Du, wie Du ganz unkompliziert in die Welt des Smart Home einsteigen kannst: mit openHAB auf einer DiskStation. 

Gegenüber den üblichen Verdächtigen bei der Hardware wie z.B. Raspberry PI bietet eine DiskStation einige Vorteile: echte Festplatten, bei Bedarf mit Redundanz, höhere Leistung und so die Möglichkeit weitere Dienste darauf laufen zu lassen und zB auch Backups von anderen Computern darauf zu speichern. Klar ist eine DiskStation etwas teurer als ein PI, aber durch den Zusatznutzen und höhere Zuverlässigkeit relativiert sich das wieder. Für alle, die bereits eine DiskStation haben, bietet es sich sowieso an, die Software zur Hausautomatisierung darauf zu installieren.

Ein fertiges Paket – Komfort mit Nachteilen

Ein Weg, openHAB auf die DiskStation zu bekommen, ist das vorgefertigte openHAB Paket zu nutzen. Das hat einen entscheidenden Vorteil: es geht extrem einfach. Es hat aber auch drei Nachteile:

  • Du bist später weniger flexibel, was die Einrichtung / Konfiguration von openHAB angeht
  • Du musst Dir zusätzliche Gedanken machen wie Du die weitere Software für die Hausautomatisierung zum Laufen bekommst (mit openHAB alleine ist es meist nicht getan) und
  • zumindest auf meiner DiskStation waren die Startzeiten und die Performance von openHAB deutlich schlechter bei dem vorgefertigten Paket verglichen mit der Methode, die ich Dir im folgenden zeige

openHAB in 2 Schritten aufsetzen

Auf der DiskStation läuft als Betriebssystem DSM, was letzendlich ein Linux ist. Das machen wir uns zu nutze und installieren mit Linux-Mitteln openHAB wie folgt:

  1. zusätzlich zum DSM bringen wir Debian Linux auf die DiskStation
  2. wir installieren openHAB in die Debian-Umgebung

Vorteile: wir können unter Debian Linux beliebige weitere Programme installieren, die uns nützlich sind. Und wir können openHAB genau so einrichten, wie wir es brauchen. Los geht’s.

Debian auf die DiskStation bringen

Es gibt von der SynoCommunity ein tolles Paket, das uns ein aktuelles Debian sozusagen als Ergänzungssystem zum DSM installiert (in eine sogenannte chroot-Umgebung):

  1. Gehe in der DSM Weboberfläche in das Paketzentrum und klicke dort Einstellungen und wähle den Reiter Paketquellen
  2. Füge eine neue Paketquelle hinzu mit dem Namen SynoCommunity und dem Ort http://packages.synocommunity.com/
  3. Jetzt findest Du im Paketzentrum das Debian Chroot Paket, was Du mit einem Klick installierst

Ab jetzt geht es in der Linux Kommandozeile weiter, dazu logge Dich per ssh auf Deiner DiskStation ein (wenn Du das noch nie gemacht hast, keine Angst, hier gibt es eine kurze Anleitung und Empfehlungen für Mac und Windows). Bitte beachte: du musst Dich zunächst als admin einloggen, mit Deinem Administratorpasswort. Dann wechselst Du zum Benutzer root, der das gleiche Passwort hat, mit folgendem Befehl:

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  • sudo su –

Nun wechselst Du in die Debian-Umgebung der DiskStation mit:

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  • /var/packages/debian-chroot/scripts/start-stop-status chroot

Als erstes bringen wir unser Debian auf den neuesten Stand: Informationen über Software-Pakete aktualisieren und dann damit die Software-Pakete selbst aktualisieren:

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  • apt-get update
  • apt-get upgrade

Wir setzen die Einstellungen zu unserer Region mit

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  • apt-get install debconf
  • apt-get install locales
  • dpkg-reconfigure locales

Wenn Du bei der Auswahl unsicher bist, wähle die UTF8-Variante für Deine Sprache. Damit haben wir grundsätzlich Debian auf der DiskStation am Laufen. Natürlich kannst Du im Debian noch mehr einrichten, was zwar für openHAB im Moment nicht nötig ist, aber wenn es Dich interessiert schau in Mark’s Blog (englisch).

Damit ist unser Basissystem bereit und wir kommen zu unserem eigentlichen Ziel: openHAB.

openHAB unter Debian installieren

Um openHAB laufen zu lassen, benötigen wir Java. Dazu ergänzen wir in unserem Debian die Paketquellen, aus denen Java installiert werden soll:

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  • echo „deb http://ppa.launchpad.net/webupd8team/java/ubuntu xenial main“ | tee /etc/apt/sources.list.d/webupd8team-java.list
  • echo „deb-src http://ppa.launchpad.net/webupd8team/java/ubuntu xenial main“ | tee -a /etc/apt/sources.list.d/webupd8team-java.list
  • apt-key adv –keyserver hkp://keyserver.ubuntu.com:80 –recv-keys EEA14886

Nun können wir ganz einfach Java installieren:

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  • apt-get update
  • apt-get install oracle-java8-installer
  • apt-get install oracle-java8-set-default

Wenn das durchgelaufen ist prüfen wir kurz, dass Java funktioniert:

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  • java -version

Wenn alles gut gegangen ist, bekommen wir eine Ausgabe ähnlich dieser hier:

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java version „1.8.0_121“
Java(TM) SE Runtime Environment (build 1.8.0_121-b13)
Java HotSpot(TM) Client VM (build 25.121-b13, mixed mode)

Nach dem gleichen Muster installieren wir nun openHAB. Erst Paketquellen hinzufügen und dann das openHAB Debian-Paket installieren:

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  • wget -qO – ‚https://bintray.com/user/downloadSubjectPublicKey?username=openhab‘ | apt-key add –
  • echo ‚deb http://dl.bintray.com/openhab/apt-repo2 stable main‘ | tee /etc/apt/sources.list.d/openhab2.list
  • apt-get update
  • apt-get install openhab2

Wenn Du dann später Erweiterungen für OpenHAB für Deine speziellen Smart Home Geräte installierst, werden die nach Bedarf auf dem Internet heruntergeladen. Willst Du Dein System später vom Internet trennen, installiere jetzt alle Erweiterungen (wenn nicht, überspringe diesen Schritt):

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  • apt-get install openhab2-addons

Nun können wir openHAB starten:

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  • service openhab2 start

[ ok ] Starting openHAB2 server: openhab2.

Der erste Start kann eine Weile dauern, auch mal ein paar Minuten. Wie Du openHAB automatisch startest, wenn die DiskStation neu startet oder openHAB mal beendet wurde, zeige ich Dir in einem anderen Artikel. Dass openHAB nun läuft prüfen wir im Browser und gehen auf http://<IP-Adresse-der-DiskStation >:8080 also z.B. http://192.168.172.50:8080 oder wenn die DiskStation über einen Namen in unserem Heimnetz erreichbar ist mit http://diskstation:8080. Dann sollten wir folgendes sehen:

openHAB Setup (Bildquelle: Internet-of-Things.blog)

Jetzt wähle noch aus, wie Du openHAB einrichten möchtest. Ich empfehle die Wahl einer der folgenden Varianten (wenn Du unsicher bist, wähle Standard, damit machst Du nichts falsch):

Standard – das ist die für die meisten Benutzer empfohlene Version. Sie enthält

  • Paper UI für die Systemverwaltung, einschließlich Verwaltung von Geräten
  • Basic UIals neue moderne Benutzeroberfläche für mobile Geräte
  • HABPanel als Dashboard für (z. B. an der Wand montierte) Tablets

Zusätzliche Erweiterungen können über Paper UI oder direkt durch die Definition in addons.cfg installiert werden.

Expert – alle die vorher openHAB 1.x verwendet haben oder alle die sich als Power User verstehen, solltest diese Version wählen. Damit bekommst Du

  • alles was das Standard Paket enthält
  • Classic UI die Web-Oberfläche von openHAB 1.x
  • HABmin eine mächtige Administrationsoberfläche, vor allem auch für Z-Wave Nutzer
  • Interaktive REST API mit der die REST Funktionen ausprobiert werden können
  • alle Transformationen so wie sie auch in openHAB 1.x waren

Das war’s!

openHAB Startseite (Bildquelle: Internet-of-Things.blog)

Hast Du Dich auch wie ich für Standard entschieden, siehst Du nach kurzer Zeit die Startseite von openHAB. Wie Du dann openHAP automatisch auf der DiskStation startest z.B. nach einem Neustart der DiskStation oder wenn openHAB versehentlich beendet wurde, zeige ich Dir in einem anderen Artikel.

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Über René Auberger 10 Artikel
René ist IT Architekt für Internet of Things, Industrie 4.0, Analytics und Cognitive Computing. In seiner Freizeit macht er Schritt für Schritt sein Haus smarter. 2017 hat René das Internet-of-Things.blog gegründet. Er schreibt auch regelmäßig auf Twitter. Zu Renés kompletten Profil...

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